Titel: Pusteblume
Autorin: Marian Keyes
Verlag: Heyne
Erscheinungsjahr: 1999
Kurzbeschreibung: Tara, Katherine und Fintan sind seit ihrer gemeinsamen Jugend in Irland eng befreundet. Mittlerweile leben alle drei in London, sie haben die dreissig überschritten und stehen sich nach wie vor tatkräftig zur Seite. Während Tara sehnsüchtig auf einen Antrag wartet, zeigt Katherine den Männern die kalte Schulter. Dann erkrankt Fintan plötzlich schwer, und alle Lebensentwürfe erscheinen in neuem Licht.
Über die Autorin: Marian Keyes, 1963 in Limerick geboren, wuchs in Dublin auf und jobbte nach dem Abbruch ihres Jurastudiums einige Jahre in London, bevor sie mit ihrem Debütroman "Wassermelone" einen phänomenalen Erfolg landete. Alle folgenden Romane wurden zu internationalen Bestsellern.
Fazit:
Marian Keyes Bücher beginnen alle ähnlich - mit einer heiklen Situation, in der der Protagonist gerät und mit der er irgendwie klarkommen muss. In diesem Falle ist es die Erkrankung von Finten - nein, kein AIDS, wie sofort jeder vermutet, sondern Krebs. Allerdings hat kein Leiden nicht nur Auswirkungen auf sein Leben, sondern auch auf das seiner zwei besten Freundinnen, die er bereits aus Kindheitstagen kennt, Tara und Katherine. Alle drei haben sie mit ihren eigenen Problemen u kämpfen. Tara hat Torschlusspanik und lässt sich deshalb von ihrem Freund mies behandeln, führt ihre missliche Lage auf ihre überschüssigen Pfunde zurück und macht sich völlig von ihrem Freund abhängig. Katherine hingegen ist Single, und dies schon seit langem - einige kurze Beziehungen hier und da sind das Höchste der Gefühle, die jedoch oberflächlich bleiben und nicht sehr viel länger als einige Wochen andauern.
Das Buch ist gespickt von kleinen Rückblenden, teilweise an frühere Beziehungen, teilweise an Kindheitstage. Es klärt sich im Laufe des Buches immer mehr auf, weshalb die Hauptfiguren so sind, wie sie sind und so handeln, wie sie es nunmal tun. Von Beginn an ist der Leser begierig mehr zu erfahren, wie es für sie weitergeht, ob sie ihre persönlichen Probleme und Sackgassen bezwingen werden und es schaffen, ihre Traumata aufzuarbeiten.
Der Schreibstil von Marian Keyes ist wunderbar - sie schafft es völlig, einen in ein anderes Universum zu versetzen und wechselt häufig von Erinnerungen zum jetzigen Zeitpunkt. Mehr als das hat sie augenscheinlich für das Buch viel recherchiert bzw. nachgedacht, damit es stimmig und glaubhaft ist und man mit den Charakteren mitfühlen und ihre Handlungen nachvollziehen kann.
Ebenfalls positiv fand ich das Auftauchen eines alternden Schauspielers, welcher zuerst nichts mit den Hauptpersonen zu tun hat und völlig von ihnen unabhängig einen Einblick in sein Leben und seine Vergangenheit zeigt. Erst um Schluss wird klar, was er mit dem Trio zu tun hat.
Hier setze ich meinen einzigen Kritikpunkt an - obwohl das Buch recht lang ist, geht es mir zum Schluss fast schon zu schnell. Die 'Auflösung', wenn man denn so will, verdient meiner Meinung nach noch mehr Details, mehr Seiten, mehr Zeit.
Dessen ungeachtet ist das Buch wirklich empfehlenswert. Während es anfangs noch etwas langatmig erscheint, packt es einen bereits nach kurzer Zeit und obwohl es Unterhaltungslektüre ist, kann man es kaum leichte Kost nennen, denn es regt zum Nachdenken an und ist nicht schnell vergessen.
Rating: 4,5 / 5 Sterne
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